Systhema - Jahrgang 2021

Systhema - Heft 2 - 2021

Systhema - Heft 2 - 2021

VORWORT

Cornelia Hennecke und Jana Schrage
S. 96-97

 

Originalbeiträge

Christoph Elling:
„Ja…und“ – die Kunst anzudocken.
Improvisationstheater – eine Ressource in der psychotherapeutischen Aus- und Weiterbildung

S. 98-108

Zusammenfassung

Menschen, die sich in eine Psychotherapie begeben, erzählen oft leidvolle Geschichten voller Anstrengung, Resignation und Hilflosigkeit. Wenn es dem Therapeuten gelingt, an diese Er­zählungen „anzudocken“, akzeptierend und empathisch den Geschichten zu folgen, und auch seine eigene Resonanz in den Prozess einzubringen, kann die Bedeutung des Erzählten behutsam verändert werden. Die Ideen und Methoden des Improvisationstheaters nach Keith Johnstone unterstützen die Entwicklung dieser Fähigkeiten. Es wird vorgeschlagen, Spielformen des Improvisationstheaters in Aus- und Weiterbildung zum Berater und Psychotherapeuten zu nutzen.

Abstract

People who enter psychotherapy often tell sorrowful stories of struggle, resignation, and helplessness. If the therapist succeeds in „docking“ to these narratives, in following the stories acceptingly and empathically, and also in bringing his or her own resonance into the process, the meaning of what is being told can be gently changed. The ideas and methods of improvisational theatre according to Keith Johnstone support the development of these skills. It is suggested to use improvisational theatre games in education and training for counsellors and psychotherapists.


Miriam Meschke und Katharina Weitkamp:
„Ich fühle mich schwarz in rot übergehend“ – Eine qualitative Interviewstudie zu Erfahrungen von Jugendlichen mit systemischer Kunsttherapie in Psychiatrie und Psychotherapie

S. 109-123

Zusammenfassung

Vor allem in der psychotherapeutischen Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen kommen immer wieder Methoden zum Einsatz, die zum künstlerischen Gestalten einladen. Neben der Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten durch künstlerische Medien in der Therapie, ermöglichen sie den Blick auf zusätzliche Ebenen, die aus systemischer Perspektive betrachtet werden können. Diese explorative Interviewstudie untersucht die Frage, welche Erfahrungen Jugendliche in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit systemischer Kunsttherapie machen. Die Analyse ergab vier Themen, die in allen Interviews erscheinen: (1) Künstlerische Medien als Ausdrucksform von Emotionen; (2) Künstlerisches Gestalten als Möglichkeit zur Dezentrierung von Problemen; (3) Fokus auf positive Wahrnehmungen als Lösungsstrategie und (4) Reflexion als Quelle für Erkenntnisgewinn. Die Ergebnisse regen zur Übertragung ­systemtheoretischer Erkenntnisse und Methoden auf die kunsttherapeutische Praxis an.

Abstract

Especially in psychotherapy with children and adolescents art work methods are frequently used. While increasing different ways of expression, additional views from systemic perspectives are applicable. This study examined the question, what experiences are made by adolescents in a clinic for psychiatry and psychotherapy with systemic art therapy. The analysis of the interview data led to four main themes, each of which came up in all four of the interviews: (1) Art work as a way to express emotions; (2) Art work as a possibility of decentration from problems; (3) Focus on positive perceptions as solution strategy; (4) Contemplation as source to gain knowledge. The results encourage the implementation of systemic insights and methods to art therapy practice.

 

Erfahrungsberichte

Judith Krügel, Kristina Sellmayr, Steffen Hoffmann:
Beratung von getrennten sogenannten hochstrittigen Eltern – Bericht aus der Praxis

S. 124-139

Zusammenfassung

Als Jugendhilfeträger FAN FamilienANlauf e.V. haben wir für getrenntlebende, sogenannten „hochstrittige“ Eltern ein Beratungsangebot entwickelt, um Eltern zu unterstützen, aus ihren destruktiven Kommunikationsmustern herauszufinden und im Interesse der Beziehung und der elterlichen Verantwortung zu ihren gemeinsamen Kindern die Kommunikationsbedingungen zu verbessern. Im Folgenden wird die Arbeitsweise mit den Eltern und Familien mit Fallbeispielen und den möglichen „Bausteinen“ beschrieben, die im Prozess Anwendung finden können.

Abstract

As a youth welfare organization, FAN FamilienANlauf e.V., we have developed a counseling program to parents, who are living seperately, to find a way out of their destructive patterns of communication to improve their parental responsibility for their children. In the following the working method with parents and families is described with case examples and „building blocks“, that can be used in process.


Lena Kluge:
Systemisches Arbeiten und Denken im Schulkontext

S. 140-146

Zusammenfassung

Lehramtsstudierende können vom systemischen Arbeiten profitieren. Der vorliegende Artikel zeigt einen möglichen Ablauf eines Seminares für Lehramtsstudierende auf, in dem ihnen das systemische Arbeiten näher gebracht wird. Ziel des Seminars ist es, einen Praxistransfer der systemischen Methoden in den beruflichen Alltag von Lehrer*innen zu fördern.

Abstract

Working with the systemic view can be helpful for students teacher. The article shows an exemplary schedule for students of the master of education that focus on systemic methods for teachers. The seminar was constructed to increase the knowledge about systemic methods and to ensure a transfer of these methods in the later work life.


Ashille Emonts:
Umfrage zur Jugendhilfearbeit während Corona

S. 147-167

Zusammenfassung

Die aktuelle Corona-Krise hat unser gesellschaftliches und soziales Leben massiv beeinträchtigt. Die Rückkehr zur Normalität stellt mittlerweile eine größere Herausforderung dar als anfangs vermutet. Allerdings birgt jede Krise auch wiederum die Chance auf Veränderung: entweder indem wir unser eigenes Tun und Handeln in Frage stellen oder das der anderen. Vor diesem Hintergrund wurde eine Umfrage durchgeführt, um die Auswirkungen von Corona auf ­Klientensysteme im Jugendhilfedienst am Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens zu evaluieren. Dabei ging es nicht nur darum, neue Erfahrungswerte zu sammeln, sondern auch auf Altbewährtes zurückzugreifen. Als Fazit der Umfrage hält der Autor fest, dass eine Pandemie kein Anlass dafür sein darf, sich von den Klienten/Menschen abzuwenden, nur weil wir davon ausgehen, dass diese über ausreichend Resilienzen verfügen, um eine ­derartige Krise adäquat zu bewältigen. Vielmehr sollte die aktuelle Zeit uns dazu veranlassen, noch wachsamer zu sein, sowohl für die eigenen Bedürfnisse als auch die unserer Klienten. Der Erfahrungsbericht stellt die erfolgte Umfrage inhaltlich dar und diskutiert erste Ergebnisse.

Abstract

The current Corona crisis has had a massive impact on our social and civic life. Returning to normalcy is now more challenging than initially thought. However, every crisis also in turn holds the opportunity for change, either by questioning our own actions and actions or those of others. Against this background, a survey was conducted to evaluate the impact of Corona on client systems in the youth welfare service at the Ministry of the German-speaking Community of Belgium. The aim was not only to gather new empirical data, but also to draw on tried and tested methods. As a conclusion of the survey, the author states that a „pandemic“ should not be a reason to turn away from clients/people just because we assume that they have sufficient resilience to cope adequately with such a crisis. Rather, the current times should prompt us to be even more vigilant, both for our own needs and those of our clients.The field report presents the content of the survey that was conducted and discusses initial findings.

 

IMPULSE

Haja (Johann Jakob) Molter:
Anregungen und Empfehlungen für die praktische systemische Arbeit –
Luigi Boscolo und Gianfranco Cecchin postum gewidmet

S. 168-172

Zusammenfassung

Der Autor reflektiert seine Erfahrung mit dem Ansatz des Mailänder Teams, die auf das Training mit Boscolo und Cecchin zurückgeht. Er bezieht sich auf ihre Empfehlungen zum systemischen Kommentar und der Teamberatung. Dabei berücksichtigt er die Entwicklung weg vom Zwei-Kammer-System zum reflektierenden Team, zu reflektierenden Positionen und den zirkulären Fragen in der systemischen Praxis.

Abstract

The author reflects his experience with the approach of the Milano Team going back to a training with Boscolo and Cecchin. He refers in his suggestions to the systemic comment and team consulting including the development from the 2 rooms system to reflecting team, reflecting positions and circular questioning in systemic thinking and acting.

 

Marina Diel:
Challenge. Respond.

S. 173-178

Zusammenfassung

Das Leben ist ungewiss. Das ist unbestritten. Aber was, wenn wir die Herausforderung annehmen und die Lösung erforschen? Was, wenn wir unsere Komfortzone erweitern, uns gegenseitig befähigen und dadurch resilienter werden? Die Pandemie hat mich gelehrt, dass es nicht darum geht, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Sondern dass es vielmehr darauf ankommt, wie man auf sie reagiert.

Abstract

Life is uncertain. That is for sure. But what if we embrace the challenge and explore the ­response? What if we expand our comfort zone, empower each other, and thereby become more re­silient? The pandemic taught me that it is not about the absence of difficulties. But that it is about how you respond to them.

 

Würdigungen

S. 179-186

REZENSIONEN

S. 187-192

TERMINE / VERANSTALTUNGEN

S. 193-195

Systhema - Heft 1 - 2021

Systhema - Heft 1 - 2021

VORWORT

Kerstin Schmidt
S. 4-5

Nachruf Barbara Brink

S. 6-11


Themenschwerpunkt: Mut – Perspektive und Inspiration

Originalbeiträge

Thomas Stölzel:
Auf die eigene Mitte zu – Mut als philosophische Kompetenz

S. 12-22

Zusammenfassung

Ausgehend von einer etymologischen Annäherung und einem kleinen Spaziergang durch die Begriffsgeschichte wird der Mut als besondere philosophische Kompetenz sichtbar gemacht. Das deutet dann auch auf seine Verwendungsmöglichkeiten in therapeutischen und beraterischen Kontexten bis hin zu den Herausforderungen der gegenwärtigen Krise. 

Abstract

Starting with an etymological approach and a short walk through the history of the term, this article makes courage visible as a special philosophical competence. Furthermore, its possible uses in therapeutic and counseling contexts up to the challenges of the present crisis are indicated.

 

Julika Zwack und Martin Zierold: 
„Mut zum Sein?“ – Facetten des Mutes in Therapie und Beratung

S. 23-35

Zusammenfassung

In Fallbeispielen lotet der Beitrag Facetten „Not-wendigen“ Mutes in Therapie- und Beratungsprozessen aus. Jenseits heroischer Wagnisse zeigt sich Mut in einer Bereitschaft zu angstbesetzten Korrekturen des eigenen Selbstbildes, im verantworteten Bekenntnis zu eigenen Sein-Zielen, aber auch in der Anerkennung und Schaffung von Voraussetzungen für neues Handeln. Der Beitrag geht der Frage nach, welchen Unterschied die Leitunterscheidung des Mutes für die professionelle Begleitung von Menschen in Krisensituationen macht, und bietet methodische Anregungen für die therapeutische Praxis.

Abstract

Based on case studies the article reflects on perspectives of transformative courage in therapy and consulting. Beyond heroic risk taking courage shows up in the willingness to confront challenges to ones own identity as well as in commitment to important values and needs. Differentiating courage from bravery and recklessness, preconditions for courageous actions are explored. The article asks what difference the perspective of courage makes for supporting people in crisis and offers methodical suggestions for intervention.

 

Eva Schramm: 
„So rannte ich beinahe hin und her...“ – Autoethnografische Überlegungen zu mutigem Handeln in der Familienhilfe

S. 36-44

Zusammenfassung

Die Autorin arbeitet mithilfe von Autoethnografie am Beispiel ihrer Alltagspraxis in der Familienhilfe heraus, wie eigene Emotionen das Handeln als Sozialarbeiterin prägen. Daraus leitet sie ab, wie durch kritische Beobachtung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns Wissen über die soziale Ordnung generiert werden kann. Eigene Emotionen in den Diskurs zu bringen und sie kritisch zu hinterfragen, erfordert Mut, sich mit Normalitätsvorstellungen zu befassen, generiert aber auch neue Handlungsoptionen im Umgang mit Adressat*innen.

Abstract

With the help of autoethnography, the author uses the example of her everyday practice in family support to work out how emotions shape behavior as a social worker. Following on from this, she shows how knowledge about the social order in the respective context can be generated through critical observation of one’s own thinking, feeling and acting. Bringing one’s own emotions into the discourse and questioning them critically requires courage to deal with one's own ideas of normality, but it also generates possible scenarios and options when dealing with others.

 

Interview

Interview mit Jonas Geißler 

S. 45-53

Impuls

Christopher Klütmann: 
Führung mit Mut – Erkenntnisse und Reflexionen aus einer systemischer(en) Perspektive

S. 54-60

Zusammenfassung

Was haben Mut und Führung gemeinsam? Ist Mut eine unabdingbare Eigenschaft und/oder Qualität von Führungskräften? Dieser Frage geht der Autor in diesem Beitrag auf den Grund. Als Grundlage dazu dienen dialogorientierte Interviews mit Führungskräften, die im Rahmen des Buches „Führung im Dialog – Wer braucht was von wem“ entstanden sind. Sechs unterschiedliche Aussagen und Perspektiven zum Thema Führung werden exemplarisch vorgestellt. Diese bringt der Autor mit Mut in Verbindung und ist bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Beschreibungen und Zugänge auf der Suche nach Gemeinsamkeiten, was „gute“ Führung kennzeichnen könnte – mit dem Wissen, dass Führung im Dialog immer wieder neu entsteht und Reflexionen zum eigenen Denken und Handeln anregen können.

Abstract

What do courage and leadership have in common? Is courage an indispensable characteristic or quality of managers? In this article the author explores these questions based on  dialogue-oriented interviews with executives conducted while working on his book “Leadership in Dialogue - Who needs what from whom”. Six different statements and perspectives on leadership are presented as examples and are associated with courage. The author is looking for similarities in what can be characterized as “good” leadership – despite differences in descriptions and approaches and with the knowledge that leadership always emerges anew in dialogue and can stimulate reflections for one's own thoughts and actions.

Erfahrungsberichte

Manuela Fischer: 
„Das haben wir noch nie probiert ...“ – Virtuelle Kita: Ein Erfahrungsbericht

S. 61-64

Zusammenfassung

Ein Erfahrungsbericht aus zwei Kölner Kitas während des Corona-Lockdowns im Frühling 2020. Vom Mut, Neues zu wagen.

 

Charlotte Cordes: 
Mut zur Improvisation – in der Coronazeit und auch sonst

S. 65-71

Zusammenfassung

In dem Artikel beschreibt Charlotte Cordes die Ähnlichkeit der Haltung, die hinter dem Provokativen Ansatz und Improtheater steckt in Form von „Humor“, „Lust am Scheitern“ und „im Hier und Jetzt Sein“. Sie macht deutlich, wie diese Haltung ihr im Coronajahr 2020, in der auch ihr Vater sehr überraschend starb, Mut verliehen hat, wilde Zeiten erstaunlich gut zu meistern.

Abstract

In this article Charlotte Cordes describes the similar attitude behind the provocative approach and improv-theatre in the form of ’humor‘, ’stay happy when you fail‘ and ’be in the moment‘. She makes clear how this attitude has helped her manage her life astonishingly well in the year of 2020, with her beloved father dying a surprised death and Corona coming up and change the world.

 

REZENSIONEN

S. 72-80

Nachrichten 

S. 81

Nachlese

S. 82-86

TERMINE / VERANSTALTUNGEN

S. 87-91